Custom Solar: Lege deine eigenen Regeln für Solarladen fest

22 September 2026 Peblar

Pure Solar, Smart Solar und Fast Solar decken die meisten Anwendungsfälle ab. Jeder Modus trifft jedoch feste Entscheidungen darüber, wann das Laden startet und wie viel Netzstrom genutzt werden darf. Pure Solar nutzt ausschließlich Solarüberschuss, Smart Solar ergänzt konstant 920 W Netzstrom und Fast Solar nutzt so viel Netzstrom wie nötig, um möglichst schnell zu laden.

Custom Solar hebt diese festen Vorgaben auf und gibt dir die volle Kontrolle.

Mit drei Einstellungen in der Peblar-Weboberfläche legst du selbst fest:

  • wann die Ladung starten soll
  • welchen Zielwert die Wallbox während des Ladens einhalten soll
  • ob die Wallbox überhaupt auf Solarüberschuss warten soll
  • Einspeisung ins Netz = negativ
  • Bezug aus dem Netz = positiv
  • Start-/Stopp-Schwelle: −600 W
  • Zielwert Netzanschluss: 0 W
  • Always Charge: deaktiviert
  • Start-/Stopp-Schwelle: +1000 W
  • Zielwert Netzanschluss: 0 W
  • Always Charge: deaktiviert
  • Start-/Stopp-Schwelle: −1300 W
  • Zielwert Netzanschluss: −400 W
  • Always Charge: deaktiviert
  • Start-/Stopp-Schwelle: −1300 W
  • Zielwert Netzanschluss: +2000 W
  • Always Charge: aktiviert
  • Start-/Stopp-Schwelle: −900 W
  • Zielwert Netzanschluss: 0 W
  • Always Charge: deaktiviert

In diesem Artikel erklären wir jede Einstellung und zeigen anhand von fünf typischen Anwendungsfällen, welche Werte sinnvoll sein können.

Wenn Solarladen neu für dich ist, empfehlen wir dir zuerst unseren Artikel „Wie funktioniert Solarladen mit Peblar?“. Darin erklären wir die Grundlagen. Dieser Artikel setzt voraus, dass du bereits weißt, dass die Wallbox den Stromfluss am Netzanschlusspunkt misst und ein Elektroauto mindestens 6 A pro Phase zum Laden benötigt.

Warum ein vierter Modus?

Jeder Haushalt erzeugt und verbraucht Strom anders.

Ein Haus mit Wärmepumpe hat oft eine hohe und konstante Grundlast. Ein Haushalt mit Batteriespeicher möchte zuerst den Speicher laden, bevor Energie in das Fahrzeug fließt. Und eine kleine Solaranlage auf einem Norddach erreicht den Überschuss, den Pure Solar voraussetzt, möglicherweise nur selten.

Die drei Standardmodi funktionieren für die meisten Haushalte sehr gut.

Mit Custom Solar kannst du die Wallbox jedoch an deine Situation anpassen – und nicht umgekehrt.

Die drei Einstellungen

Du findest Custom Solar in der Peblar-Weboberfläche unter Solar Charging.

Dort stehen dir drei Einstellungen zur Verfügung.

Wenn du den Bereich zum ersten Mal öffnest, entsprechen die Werte den Standardwerten von Pure Solar. Du hast also immer einen bekannten Ausgangspunkt.

Alle Leistungswerte werden in Watt angegeben und folgen derselben Vorzeichenlogik wie dein Stromzähler:

Start-/Stopp-Schwelle

Die Start-/Stopp-Schwelle legt fest, bei welchem Netzleistungswert die Wallbox mit dem Laden beginnt und bei welchem Wert sie wieder stoppt.

Eine Schwelle von −1300 W bedeutet:

Starte die Ladung, sobald mindestens 1300 W ins Netz eingespeist werden.

Das ist ein sinnvoller Standardwert, weil 1300 W ungefähr der Leistung entsprechen, die für einphasiges Laden mit 6 A benötigt wird.

Reduzierst du den Wert beispielsweise auf −600 W, startet die Ladung früher am Morgen und endet später am Nachmittag. Die Wallbox nutzt dann einen kleinen Anteil Netzstrom, um die Mindestladeleistung von 6 A zu erreichen.

Erhöhst du den Wert beispielsweise auf −2000 W, wartet die Wallbox auf einen größeren Solarüberschuss, bevor sie startet.

Positive Schwellenwerte

Die Schwelle kann auch positiv sein.

Ein positiver Wert bedeutet, dass die Ladung beginnt, obwohl dein Haushalt noch Strom aus dem Netz bezieht – solange dieser Netzbezug unter deinem eingestellten Wert liegt.

Das ist besonders interessant für Haushalte, bei denen aufgrund hoher Grundlast nie ein echter Solarüberschuss am Zähler sichtbar wird, du aber trotzdem während der produktivsten Sonnenstunden laden möchtest.

Die Start-/Stopp-Schwelle beeinflusst ausschließlich den Beginn und das Ende der Ladung.

Sie wird am Stromzähler gemessen, bevor die Wallbox mit dem Laden beginnt. Die Ladeleistung der Wallbox selbst wird dabei nicht berücksichtigt.

Sobald die Ladung aktiv ist, übernimmt der Zielwert für den Netzanschluss die Steuerung.

Zielwert für den Netzanschluss

Sobald die Ladung aktiv ist, passt die Wallbox den Ladestrom kontinuierlich an, um einen bestimmten Wert am Netzanschlusspunkt einzuhalten.

Ein Zielwert von 0 W bedeutet:

Die Wallbox nutzt genau so viel Strom, wie deine Solaranlage aktuell als Überschuss produziert. Es wird weder Strom eingespeist noch zusätzlich aus dem Netz bezogen.

Ein negativer Zielwert, beispielsweise −500 W, sorgt dafür, dass dauerhaft 500 W ins Netz eingespeist werden.

Ein positiver Zielwert, beispielsweise +1500 W, erlaubt der Wallbox zusätzlich 1500 W Netzstrom zu beziehen. Dadurch verkürzt sich die Ladezeit.

Die Wallbox liefert während einer aktiven Ladung immer mindestens 6 A, unabhängig vom eingestellten Zielwert.

Sinkt der Solarüberschuss unter diese Mindestleistung, wird die Differenz vorübergehend aus dem Netz bezogen, bis die Start-/Stopp-Schwelle den Ladevorgang beendet.

Always Charge

Aktivierst du Always Charge, ignoriert die Wallbox die Start-/Stopp-Schwelle.

Sobald du das Fahrzeug anschließt, beginnt die Ladung mit mindestens 6 A und folgt ab der ersten Sekunde dem eingestellten Zielwert.

Mit einem Zielwert von 0 W bedeutet das einen sofortigen Start mit 6 A.

Bei einem positiven Zielwert startet die Wallbox direkt mit der durch diesen Wert erlaubten Leistung.

In beiden Fällen bleibt die Solarladung für den restlichen Ladevorgang aktiv.

Fünf Situationen, fünf Einstellungen

Die folgenden Beispiele beziehen sich auf eine einphasige Installation.

Bei dreiphasigem Laden beträgt der Mindeststrom ebenfalls 6 A pro Phase. Die benötigten Überschusswerte müssen daher ungefähr mit drei multipliziert werden.

1. Kleine Solaranlage

Acht Solarmodule auf einem Ostdach mit einer Spitzenleistung von etwa 1800 W.

Pure Solar startet nur selten, weil nach dem Haushaltsverbrauch kaum mehr als 1300 W Überschuss übrig bleiben.

Empfohlene Einstellungen

Die Wallbox startet bereits bei 600 W Einspeisung, ergänzt bis zur Mindestladeleistung Netzstrom und nutzt anschließend jede verfügbare Kilowattstunde Solarstrom.

2. Wärmepumpe läuft den ganzen Tag

Die Solaranlage produziert an guten Tagen 2000 W, während die Wärmepumpe dauerhaft etwa 3000 W verbraucht.

Der Stromzähler zeigt dadurch den ganzen Nachmittag einen Netzbezug von etwa 1000 W an.

Empfohlene Einstellungen

Die Ladung beginnt, sobald der Netzbezug auf 1000 W oder weniger sinkt. Anschließend versucht die Wallbox, den Netzanschluss auf 0 W zu halten.

3. Zuerst den Batteriespeicher laden

Du möchtest, dass dein Heimspeicher zuerst geladen wird, bevor Überschussstrom in dein Elektroauto fließt.

Empfohlene Einstellungen

Die Wallbox wartet auf einen klaren Solarüberschuss und hält während der Ladung dauerhaft 400 W Einspeisung aufrecht.

So bleibt ein Teil des Solarüberschusses für den Batteriespeicher reserviert.

4. Das Auto muss bis mittags bereit sein

Du schließt dein Fahrzeug um 09:00 Uhr an und möchtest bis 13:00 Uhr möglichst viel Energie geladen haben, Solarstrom aber weiterhin maximal nutzen.

Empfohlene Einstellungen

Die Ladung beginnt sofort nach dem Einstecken.

Sobald die Sonne mehr Energie liefert, wird der Solarüberschuss zusätzlich genutzt.

Du profitierst von hoher Ladegeschwindigkeit und nutzt trotzdem jede verfügbare Kilowattstunde Solarstrom.

5. Pure Solar nach deinen Regeln

Du magst Pure Solar, möchtest aber etwas früher mit dem Laden beginnen.

Empfohlene Einstellungen

Die Ladung startet bei geringerem Überschuss als im Standardmodus Pure Solar.

Während der ersten und letzten Ladephase unterstützt das Netz kurzzeitig die Mindestladeleistung von 6 A. Dazwischen lädt die Wallbox ausschließlich mit Solarstrom.

Einrichtung

Öffne die Peblar-Weboberfläche in deinem Heimnetzwerk und wechsle zu Solar Charging.

  1. Wähle Custom Solar aus.
  2. Gib die gewünschte Start-/Stopp-Schwelle ein.
  3. Lege einen Zielwert für den Netzanschluss fest.
  4. Aktiviere Always Charge, falls die Ladung sofort starten soll.
  5. Übernehme die Einstellungen.

Die Änderungen werden bei der nächsten Ladesitzung wirksam.

Über Reset stellst du jederzeit die Standardwerte von Pure Solar wieder her.

Custom Solar benötigt dieselben Messdaten wie die anderen Solarmodi:

  • kompatibler Energiezähler
  • HomeWizard P1 Meter
  • unterstützter Wechselrichter

Wenn Pure Solar, Smart Solar oder Fast Solar bereits funktionieren, benötigst du keine zusätzliche Hardware.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich Custom Solar zusammen mit Dynamic Load Balancing nutzen?

Ja.

Das dynamische Lastmanagement legt die maximale Ladeleistung fest, damit deine Hauptsicherung geschützt bleibt.

Custom Solar arbeitet innerhalb dieser Grenzen.

Was passiert nachts?

Ist Always Charge deaktiviert, wartet die Wallbox auf die eingestellte Startschwelle und lädt nachts nicht.

Ist Always Charge aktiviert, folgt die Wallbox dem Zielwert für den Netzanschluss. Nachts bedeutet das in der Regel Laden mit Netzstrom.

Warum erreicht mein Stromzähler nicht exakt den eingestellten Zielwert?

Die Wallbox passt den Ladestrom stufenweise an und der Haushaltsverbrauch verändert sich ständig.

Deshalb bewegt sich der gemessene Wert um den Zielwert herum.

Kleine Schwankungen sind völlig normal.

Kann ich die Einstellungen während einer laufenden Ladung ändern?

Ja.

Speichere die neuen Werte und die Wallbox übernimmt sie unmittelbar.

Muss ich etwas aktualisieren?

Stelle sicher, dass deine Wallbox mit der aktuellen Firmware läuft.

Firmware-Updates werden automatisch aus der Ferne installiert. Du musst dafür nichts weiter tun.